Strecke Roßberg – Bad Wurzach

Die Bahnstrecke Roßberg – Bad Wurzach ist knapp 11 km lang und zweigt im Betriebsbahnhof Roßberg von der Württemberg-Allgäu-Bahn ab. Besonders interessant für den Reisenden ist die anschließende Fahrt über die imposante Roßberger-Steige und der Verlauf der Strecke mitten durch das Werk der St. Gobain Oberland Glas AG in Bad Wurzach.

Die Bauarbeiten an der Strecke Roßberg – Bad Wurzach begannen am 15.06.1903 und bereits ein Jahr später waren die Gleise bis Bad Wurzach fertiggestellt. Die feierliche Eröffnung der Strecke erfolgte am 20.06.1904.
Nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Bahn große Bedeutung für den Torfverkehr erreicht. Die zunehmende Motorisierung nach dem Zweiten Weltkrieg und der unattraktive Fahrplan mit nur zwei Zugpaaren werktags, führten dazu, dass die Strecke schließlich 1963 im Personenverkehr eingestellt wurde. Das Güterverkehrsaufkommen der Bahnstrecke stieg jedoch erheblich an. Die Glanzzeiten der Bahnlinie waren allerdings Anfang der 1990er Jahre auch im Güterverkehr vorüber. Mehr und mehr Verkehr wurde auf die Straße verlagert, so dass 2002 nur noch ein einziger, kurzer Güterzug an Werktagen unterwegs war. Im Rahmen ihres Sanierungsprogramms „MORA C“ (Marktorientiertes Angebot Cargo) vollzog die Deutsche Bahn AG einen Kahlschlag in Oberschwaben. Der letzte Güterzug von Bad Wurzach nach Roßberg verkehrte im Dezember 2002.

Doch damit war das Kapitel „Roßbergbahn“ keineswegs beendet. Am 2. Oktober 2003 fuhr nach einer fast einjährigen Unterbrechung wieder ein Güterzug nach Bad Wurzach und brachte die erste Ladung Soda zur Oberland Saint-Gobain Glasfabrik. Seither wird das Werk wieder zweimal pro Woche von der privaten Bahngesellschaft Veolia Cargo (früher Connex) mit Quarzsand und Soda beliefert. Zur dauerhaften Sicherung des Güterverkehrs war jedoch der Erhalt der Eisenbahninfrastruktur eine wichtige Voraussetzung. Die DB Netz plante die Stilllegung der Bahnstrecke, weshalb schnell eine andere Lösung gesucht werden musste. Einzige Alternative war daher die Übernahme der Strecke durch die Stadt Bad Wurzach im Jahr 2004.

Am bodo-Erlebnistag 2008 und 2009 wurden erstmals wieder Personensonderzüge zwischen Aulendorf, Bad Waldsee und Bad Wurzach angeboten. Der große Erfolg der Fahrten führte letztlich dazu, dass die Strecke ab Juli 2010 für den Ausflugsverkehr reaktiviert wurde. An zehn ausgewählten Sonn- und Feiertagen verkehrte der 3-Löwen-Takt Radexpress „Oberschwaben“ nach Fahrplan. Die Stadt Bad Wurzach hat eigens einen neuen Bahnsteig in Bad Wurzach hierfür gebaut. Die Züge wurden von über 2.000 Fahrgästen genutzt, weshalb das Fahrplanangebot ab 2011 um 5 weitere Verkehrstage ausgeweitet wurde.

Kurzzeitig sah es Mitte 2012 so aus, als müsste der Güterverkehr nach Bad Wurzach aufgrund eines Lieferantenwechsels bei St. Gobain Oberland eingestellt werden. 2012 hat „Stock Transport“ die Verkehre von Veolia Cargo übernommen. Einmal die Woche verkehrte seither ein Ganzzug nach Bad Wurzach.

Aktuelle Entwicklung: Leider wurde der Güterverkehr zum neuen Eigentümer des Glaswerks „Verallia“ im Dezember 2016 überraschend eingestellt. Der letzte Leerzug wurde Anfang Januar 2017 abgeholt, seither ruht der Verkehr. Ob eine Wiederaufnahme der Verkehre erfolgt ist derzeit nicht absehbar.

 

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Strecke Altshausen – Pfullendorf

Den westlichen Teil der Strecke von Schwackenreute nach Pfullendorf eröffneten die Badischen Staatseisenbahnen am 11. August 1873. Am 14. August 1875 verlängerten die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen die Strecke bis Altshausen.
Die Deutsche Bundesbahn stellte am 27. September 1964 den Personenverkehr auf der Gesamtstrecke ein, so dass die Strecke zu einer reinen Güterverkehrsstrecke wurde. Auf dem östlichen Abschnitt zwischen Pfullendorf und Altshausen gab es noch bis Juli 2002 nennenswerten Güterverkehr zu den Unternehmen Alno (Küchen) und Geberit (Sanitär).
Im Rahmen des Sanierungsprogramms MORA C sorgte die Deutsche Bahn aber auch hier für einen Kahlschlag. Nach der Einstellung des Gesamtverkehrs folgte am 31. August 2004 die formale Stilllegung. Zu einem Abbau der Gleise kam es aber nicht, denn dieser Streckenteil wurde von einer kommunalen Interessengemeinschaft ab 2004 angepachtet. Lediglich die Gleisinfrastruktur des Bahnhofs Pfullendorf wurde im Sommer 2009 zurückgebaut; das Streckengleis von Altshausen endet jetzt vierhundert Meter vor dem ehemaligen Bahnhof.

Auf Betreiben der Interessensgemeinschaft wurde der erhalten gebliebene Abschnitt zwischenAltshausen und Pfullendorf 2009 reaktiviert. Betreiberin der Strecke ist die Stadt Pfullendorf mit ihrer Tochter „Regionale und öffentliche Bahn der Stadt Pfullendorf“. Am 31. Juli 2009 und 1. August 2009 befuhren als erste planmäßige Züge mehrere Fahrradsonderzüge die Strecke nach Pfullendorf anlässlich der „Tour-de-Ländle“.

Am 12. September 2010 sorgte der bodo-Erlebnistag für erneuten Schienenverkehr zwischen Altshausen und Pfullendorf. Die Pendelfahrten erfreuten sich großer Beliebtheit. Weitere Sonderfahrten wurden zum Adventszauber mit traditionellem Engelsabstieg in Pfullendorf am 11. Dezember 2010 angeboten.

Ab 8. Mai 2011 brach ein neues Zeitalter auf der Bahnstrecke Altshausen – Pfullendorf an, denn es verkehrten endlich wieder regelmäßig Züge auf der romantischen Nebenstrecke. Erstmals seit Jahrzehnten gab es wieder planmäßigen Personenverkehr auf der Strecke in Form des Radexpress Oberschwaben, der an insgesamt 15 Sonn- und Feiertagen dreimal zwischen Aulendorf und Pfullendorf pendelte. Die Stadt Pfullendorf errichtete hierfür extra einen einfachen Bahnsteig am heutigen Streckenende.

Nachdem der idyllisch gelegene Bahnhof Burgweiler seit Mai 2012 wieder planmäßiger Zwischenhalt des Radexpress Oberschwaben ist und das Naturschutzgebiet Pfrunger-Burgweiler Ried somit besser erreicht werden kann, bestehen Planungen, die Station Hoßkirch-Königsegg ebenfalls wieder in Betrieb zu nehmen. Leider klafft derzeit noch eine Finanzierungslücke beim Neubau des Bahnsteigs, so dass kein verbindlicher Termin für die Eröffnung genannt werden kann.

Aktuelle Entwicklung: Die bereits für 2016 vorgesehene Reaktivierung des Güterverkehrs konnte noch nicht vollzogen werden. Das Schweizer Start-Up Boxtango will in Ostrach Containerzüge verladen und auf die Reise Richtung Norden schicken.

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Links für Eisenbahnfreunde:

www.von-meissner.de (Eisenbahnbetriebsleiter Altshausen – Pfullendorf)

www.schienenlasche.de (Geschichte der Bahn Altshausen – Pfullendorf – Schwackenreute)

www.pfullendorf.de (Regionale öffentliche Bahn der Stadt Pfullendorf)

www.suedbahnforum.de (Eisenbahnforum mit Sichtungen und News aus den Regionen Bodensee, Oberschwaben und Allgäu)

www.boxtango.com (BoxTango – Kombinierter Verkehr)